Dienstag, 12. Februar 2013

Hinter dem Computer ist vor dem Menschen.

Ich finde meine Facebookseite zum meinem Buch Muttergefühle. Gesamtausgabe großartig. Dort sind ganz viele verschiedene Eltern unterwegs, und es ist für mich und viele anderen ein Ort, an dem wir Fragen und Probleme loswerden. Wir erzählen anderen von uns und wir machen uns gegenseitig Mut. Leider machen wir uns auch gegenseitig fertig. Zwar sind es nur ein paar, aber trotzdem geht mir das so auf den Zwirn, dass ich jetzt so einen Klugscheisserbeitrag dazu schreiben muss. Weil ich so viel Zeit in die Seite stecke, Zeit, die mir niemand bezahlt, was mir aber egal ist, weil ich mir einen geschützten Raum für Eltern wünsche. Eben ohne Klugscheissen, Bevormundung und Besserwisserei. Doch plötzlich wird auch hier gewettert gegen Fremdbetreuung, gegen Zuhausebetreuung, gegen Waffen, für N-Wörter, gegen Fernsehgucken, für neue Medien, bestimmt könnte man auch wegen Fingernägelschneiden anfangen, sich virtuell an den Haaren zu ziehen.

Inzwischen hinterfrage ich bei jedem Post, ob daraus eine Kampfdiskussion entstehen könnte, und letzte Woche habe ich tatsächlich einer ziemlich verzweifelten Mutter lieber privat per Mail geantwortet und von einem öffentlichen Post abgeraten, aus Angst vor dämlichen Kommentaren. HALLO? Wie scheisse ist das denn? Und wo soll das hinführen?
Ich will nicht, dass ein paar wenige Menschen von insgesamt fast 1900 (!) dafür sorgen, dass ich nur noch total witzige Babyvideos und fancy Basteltipps poste.

VERDAMMT NOCHMAL, hinter jedem Post steht ein echter Mensch. Dieser Mensch hat Knie, meistens Kinder und immer Gefühle. Vielleicht hat dieser Mensch die letzten Nächte sehr schlecht geschlafen (Zähne, Stillen, 6. Staffel Dexter) oder ist verunsichert (Trotzphase, Angst um den Job, Geldsorgen, Beziehungsprobleme). Wenn dieser Mensch hier um Hilfe bittet, ist es nicht konstruktiv, ihm zu sagen, er sei selber Schuld, prollig oder unfähig. Ich wünsche mir, dass wir diesem Menschen dann einfach erzählen, wir wir mit diesem Thema umgehen, damit er bestenfalls vielleicht ein paar Anregungen bekommt. Und ich wünsche mir, dass dieser Person Mut und nicht gleich der Prozess gemacht wird.


Ich weiss ja nicht, ob ihr schon mal vorm Computer sasst und respektlose Kommentare über euch selbst gelesen habt. Ich ja. Leute beschimpften mich als ,arrogante Hipstermutter‘, zu egoistisch, um Kinder zu haben und vieles mehr. Die kannten aber ja überhaupt nicht mich, sondern einen Artikel, in dem ich gesagt habe, dass ich mit Kind gern in der Stadt wohne. Sie haben alles rausgehasst, was sich bei ihnen so angestaut hat, und ich habe das abgekriegt. Das hat mich verletzt. Mir wurde heiss und kalt und ich habe mich furchtbar gefühlt. „Wenn du dich öffentlich machst, musst du auch mit dem Echo leben können“, denken jetzt bestimmt ein paar. Klar, und ich habe inzwischen auch schon ein viel dickeres Fell als noch vor eineinhalb Jahren. Aber wir brauchen auch eine digitale Herzensbildung, wie Sascha Lobo so schön geschrieben hat.

Hier noch mal von mir zum hinter die Ohren schreiben, auswendig lernen und bitte beherzigen:

Ihr antwortet keinem grauen Kasten, sondern einem Menschen!

Wenn mich ein Post nervt, dann stelle mir eine mir bekannte Person vor, die eine ähnliche Meinung hat und schreibe nur das, was ich dieser Person ins Gesicht sagen würde (nüchtern).


Euer Richtig stimmt nicht automatisch für alle.
Jeder Mensch macht alles anders. Erst Recht mit Kindern. Was bei euch hilft, kann bei anderen voll in die Hose gehen. Beschreibt lieber, wie ihr es macht, statt zu befehlen, dass alle es wie ihr machen müssen.


Macht euch auch für andere gerade.
Wenn ihr mitbekommt, dass eine Diskussion ausartet, macht die Streithähne und -hennen darauf aufmerksam, dass die Diskussion ausartet. Je mehr das machen, desto weniger Platz ist für dämliche Dialoge!


Lasst euch nicht provozieren.
Wenn ihr euch beleidigt oder verletzt fühlt, schreibt es. Aber lasst euch nicht zu einem „Guck dich mal selber an“-Spruch hinreissen, sondern teilt lieber ehrlich mit, dass euch die Äußerung kränkt.


Wenn ein Ton schreckliche Musik macht oder unsachlich diskutiert wird, werde ich noch deutlicher darauf hinweisen. Immer wieder. Glaubt mir, ich habe schon ganz andere Dinge tausendmal gesagt. Ich habe ein vierjähriges Trödelkind.

Donnerstag, 24. Januar 2013

Ich bin nicht besser.

Gestern war Date Night. Die tolle Tante hat aufs Kind aufgepasst und der Mann und ich waren auf dem Weg ins Theater. Vorher musste ich noch zur Bank. Geld holen. Im Innenraum der Bank konnte ich kaum atmen, weil dort drei Obdachlose sassen und jeder einzelne so viel geraucht hat wie Helmut Schmidt in einem Fernsehinterview.
Sie fragten mich nach Kleingeld.
(Zwischengedanke: Viele Jahre war ich der festen Überzeugung, dass ich Obdachlosen nur Sachspenden zukommen lasse, weil ich Süchte nicht unterstützen will. Ich kaufte Hundefutter oder besorgte Essensgutscheine. Dann las ich einen Artikel über den Umgang mit Obachlosen und dass diese Art von Hilfe eigentlich ziemlich überheblich ist. In so einer Sachspende steckt doch irgendwie die Erwartung, dass die Empfänger meinen kleinen Wink mit dem Zaunpfahl verstehen und schlagartig geläutert sind. Was für ein Scheiss! Die meisten von ihnen haben vermutlich so schlimme Dinge erlebt, wie sollte da eine Dose Klugscheisserhundefutter irgendetwas ändern? Ich sollte ihnen nicht zeigen, dass sie ,gefälligst mal ihr Leben in den Griff kriegen sollen‘, sondern Mitmenschlichkeit. Dass ich sie nicht für schlechtere Menschen halte. Und wenn das Geld für Zigaretten oder Bier ist, dann ist das eben so. Solange ich nicht bereit bin, ihnen mehr zu helfen als mit ein paar Euros oder einer Dose Hundefutter, habe ich nicht das Recht, den Weltverbesserer raushängen zu lassen. Zwischengedanke Ende.)

Ich kramte also in meinen Taschen und gab den Dreien mein Kleingeld. Die Frau in der Mitte sagte:
„Danke Mama.“, überlegte ein bisschen und fragte dann: „Oder ist es doof, dass ich Mama sage?“
„Nö, sagt mein Kind auch zu mir.“, entgegnete ich lachend.
„Das haben meine zu mir nie gesagt.“

Ich weiss nicht, was ich danach noch schreiben soll.

Freitag, 9. November 2012

Jedem meine, äh, seine Meinung. AAARRRGGHHHHHH!!!!!

Wer Kinder hat, weiß: es gibt Leute, die wissen, wie es läuft. Dass man als Eltern ständig und häufig ungefragt zu hören kriegt, wie man das Kind zu ernähren, erziehen und lieben hat, ist ein alter Hut. Aber genau diesen Hut möchte ich vor Verzweiflung aufessen, wenn es ums Betreuungsgeld geht. HILFE!
Ich fühle mich nicht mal mehr persönlich angegriffen, wenn ich Kommentare von Menschen lese, die finden, ich schiebe mein Kind ab, verpasse ihm durch frühe „Fremd“betreuung einen amtlichen Dachschaden und so weiter. Weil ich mich nämlich in meinem Leben scheisse wohl fühle und merke, dass es für uns alle genau so toll ist, wie es ist.
Keine Ahnung, ob diese Frontenbildung daran liegt, dass diese meckernden Menschen sich in ihrem Leben nicht so wohl fühlen und sich deshalb ständig lautstark beweisen müssen, dass ihres das Richtigste ist, aber sie geht mir, von beiden Seiten, gehörig auf den Zwirn.
Ich finde weder, dass alle berufstätigen Frauen ihre Kinder nicht genug lieben, weil sie sonst zuhause bleiben würden, noch denke ich, dass Hausfrauen ständig die Füße hochlegen und Barbara Salesch gucken. Ich glaube eher, dass es alles mögliche in allen möglichen Kombinationen gibt und jede Mutter und jeder Vater das so machen sollte, wie er oder sie das für richtig hält.
Ich zum Beispiel müsste nicht arbeiten. Wir würden mit dem Gehalt meines Mannes gut auskommen. Aber wisst ihr was? Ich WILL das. Es macht mir Spaß. Mein Job gibt mir Energie, Anerkennung, richtig viel Spaß - und Geld. Geld, von dem ich das Kind im Notfall allein durchbringen könnte. Das wiederum gibt mir Sicherheit. Dem Mann übrigens auch, auf ihm lastet so nämlich nicht der Druck, alleiniger Familienernährer sein zu müssen.
Im Gegensatz zu manchen DogmatikerInnen will ich hier aber niemandem meinen Lebensentwurf aufdrücken. Alle sind verschieden, und für viele Paare ist es ok, dass nur einer arbeitet. Es gibt Elternteile, die liebend gern lange Zuhause bleiben und sich ausschließlich um die Familie kümmern. Super das! Problematisch wird es meiner Meinung nach dann, wenn die Ehe nicht mehr funktioniert, dann wird daraus, wie wir ja gerade in der Zeit lesen konnten, oft ein ekliger Cocktail mit Zutaten wie verändertem Unterhaltsrecht, Minijobs, Hartz IV und dem Partyschirmchen Altersarmut. Nach einer Trennung stehen die Männer finanziell häufig besser da als vorher, und und die Frauen haben eine Arschkarte so groß wie der Bodensee.
Für mich ist Verantwortung das große Thema! Und damit meine ich nicht, dass sie auf Teufel komm raus arbeiten müssen. Wenn sie das möchten, super, da freut sich auch das Land, die kriegen nämlich ohne uns in den nächsten Jahren ein Riesenproblem, was sicher dazu führen wird, dass sie uns das Leben doch noch etwas leichter machen werden und sich um mehr Kitaplätze und neue Arbeitsmodelle kümmern.
Ich meine auch die, die bewusst zuhause bleiben. Für diese Ehepartner, meistens Frauen, finde ich besonders wichtig, dass sie sich absichern. Und zwar muss das leider, weil der Staat Hausarbeit ja nicht als Arbeit anerkennt geschweige denn ein Gehalt oder ausreichend Rente zahlt, jede/r selbst übernehmen. Als ich mich für ein Jahr Zuhause und danach Teilzeit entschieden habe, habe ich mich deshalb an meinen Mann gewandt. Denn ich fand, wer als Paar beschließt, dass einer Zuhause bleibt, sollte auch als Paar die möglichen Konsequenzen tragen. Er sah und sieht das genauso.
Ich wollte eine finanzielle Entschädigung für die Zeit, in der ich mich exklusiv ums Kind kümmere und in der ich kein Geld verdienen kann. Nicht für das Paar super Stiefel, das ich gerade in meinem Lieblingsladen gesehen habe, sondern für später. Wenn ich mal Rentnerin bin. Wenn wir uns trennen sollten. Weil ich keinen Bock habe, irgendwann für die riesengroße Arschkarte eine Extrazimmer zu brauchen, das ich mir nicht leisten kann, während der Mann nach der Scheidung weiter macht wie bisher, wahrscheinlich sogar ein bisschen reicher. Also haben wir unser „Vermögen“ gerecht geteilt. Klar ist es unromantisch, sich im rosaroten Zustand über so etwas Gedanken zu machen. Aber das Gespräch hat von unseren gemeinsamen sechs Jahren nur ein paar Stunden in Anspruch genommen und, ehrlich gesagt, finde ich es unromantischer, wenn wir zeitgleich im Bad Zahnseide benutzen. Vielmehr liebe ich ihn noch viel mehr als vorher, weil wir gegenseitig Verantwortung für unsere Familie übernehmen!
Also, liebe Eltern. Verschwendet Eure Zeit nicht damit, auf Andersdenkende loszugehen, sondern nutzt sie lieber dafür zu sorgen, dass Ihr Euer Leben so weiterleben könnt wie es Euch gefällt.
Und liebe Mütter: Statistisch gesehen leben wir länger als die Männer. Wollen wir später auf den männerlosen Parties in Grüppchen dastehen und uns gegenseitig scheisse finden, weil wir unterschiedlich gelebt haben? Also mir wäre lieber, wir würden in einer riesigen Polonäse durch den Saal tanzen und jede von uns hätte genug Geld, um mal eine Runde zu schmeißen!

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Paroli für Klugscheisser! Und zwar nicht die Bonbons!

Seit viereinhalb Jahren bekomme ich jede Menge schlauer Tipps. In der Schwangerschaft meckerte mich der Kellner an, weil ich mein Steak medium bestellte, fremde Frauen ordneten an, auf welche Schule mein Kind keinesfalls gehen soll, weil dort zu viele Ausländer seien. Kein Tipp, aber auch schön: Eine Frau im Schwimmbad zeigte mir unaufgefordert ihr Intimpiercing.

Als das Kind dann da war, ging es munter weiter. Mit bestimmendem Tonfall wurde in den Kinderwagen diagnostiziert: Er kriegt Zähne, sie ist müde, es darf jetzt auf keinen Fall zu früh hochgenommen werden oder muss sofort gestillt werden.

Besonders in der ersten Zeit mit Baby haben mich diese Klugscheisser wahnsinnig gemacht. Ich war so wütend. Die wollten mir ihre Version von Richtig als die einzig wahre aufzwängen, dabei hätte ich Ermutigungen gebraucht, dass meine zaghafte Version die ist, die für mich stimmt. „Sie machen das super!“, „Das muss auch wirklich anstrengend sein mit einem Neugeborenen, ich finde toll, wie Sie das machen.“ oder auch einfach nur ein aufmunterndes Lächeln wäre mir lieber gewesen als jeder Tipp.

Ebenfalls geholfen hätten mir ein dickeres Fell und Schlagfertigkeit. Denn auf 98% dieser ungewollten Tipps habe ich mit einem wenig entschlossenen „Äh!“ geantwortet. Bis heute passiert mir das noch.

Deshalb habe ich beim BarCamp Frauen Anfang Oktober 2012 in Berlin in einem Workshop mit anderen Eltern überlegt: Was können wir tun, wenn wir ungewollt Tipps bekommen?
Wir haben uns eine Stunde lang ausgetauscht und überlegt, wie wir reagieren können. Hier sind meine Top 5:

Die drei Affen-Methode: Die Klugscheisser souverän ignorieren und wohlwollend denken, dass die Tipps ja nicht böse gemeint sind, und man selbst vielleicht etwas empfindlich ist.

Die Tic Tac Toe-Methode: Die Klugscheisser in Erklärungsnot bringen und ganz einfach fragen (gern auch ein bisschen dramatisch): „Und warum?“

Die Guck-dich-doch-selber-an-Methode: Die Klugscheisser mit einer ebenso distanzlosen Äußerung mundtot machen. Dafür einfach die Person ganz gemein nach Fehlern scannen und das sagen, was man eigentlich nie im Leben sagen würde.
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Die absurde Methode: Die Klugscheisser durch eine völlig sinnlose Äußerung aus dem Konzept bringen. Hierbei kann es helfen, sich umzugucken und das erste zu sagen, was einem einfällt, man kann sich aber auch Sätze im Kopf vorformulieren.

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Die stumme Methode: Wenn die vorherigen Methoden alle nicht gehen, dann habe ich hier für euch ein paar Kommentarkärtchen vorbereitet. Die könnt ihr selbst ausdrucken, ausschneiden und den Klugscheissern überreichen.

Beim Klick auf die Beispielkarten kommt ihr aufs pdf. Und auf dem pdf stehen noch mehr!


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P.S.: Danke an den besten aller Freunde für die Gestaltung.

Mittwoch, 6. Juni 2012

Leben und leben lassen. Auch draußen bei schlechtem Wetter!

Liebe Eltern (vor allem leider Mütter),
ich habe gute Nachrichten: So lange ihr eure Kinder nicht haut, ihnen zu essen gebt und sie liebt habt, wie Kinder liebgehabt werden sollen, habt ihr rein gar nichts zu befürchten! Ihr könnt euch Jack Wolfskin-Sachen anziehen und bei strömendem Regen einen Staudamm bauen. Ihr könnt eine ganze Staffel Pippi Langstrumpf gucken. Ihr könnt einen Dinkelkuchen backen. Ihr könnt mit Euren Kinder T-Shirts selbermachen. Ihr könnt zu McDonalds fahren. Ihr könnt die Kinder bei der Oma parken und euch zuhause wieder ins Bett legen. Ihr wisst, worauf ich hinauswill:
IHR KÖNNT VERDAMMT NOCH MAL MACHEN, WAS IHR WOLLT.
UND ALLE ANDEREN KÖNNEN DAS AUCH.
Wir haben letzte Woche einen Ausflug zu einem Lokschuppenmuseum gemacht. Wir waren umzingelt von wetterfesten Familien mit Tupperdosen, Kameras und festem Schuhwerk. Ich rollte mit den Augen und fing an zu lästern. Eine andere Mutter rollte später im Internet mit den Augen, weil sie bastelnde, backende Mütter hasst. Damit dürfte dann wohl ich gemeint sein. Ich mag es nämlich, wenn unsere Wohnung nach Kuchen riecht und ich dem Kind etwas anziehen kann, das ich selbst gemacht habe. Ich erwarte aber gar nicht von allen Eltern, dass sie es genauso machen wie ich. Genauso wenig wie andere Eltern von mir erwarten können, dass ich jetzt plötzlich geschnibbeltes Gemüse in Tupperdosen auf ausgedehnten Fahrradtouren dabei habe, wenn ich doch viel lieber an der Tanke ein Wasser und eine Packung Kekse kaufe und dann das Kind im Zoo viel zu oft mit den Oldtimern fahren lasse, damit ich auf meinem Handy noch eben den Artikel über das Betreuungsgeld oder das Sauf-Desaster von Rihanna nachlesen kann.
Es gibt keine offizielle Stelle, die uns kritisch beäugt und mit Punkte-Schildern bewertet, wie wir mit unseren Kindern umgehen. Aber wir waren blöd genug, in unseren Köpfen so eine Stelle einzurichten. Dort sitzt ein kleines Männchen und vergleicht und beglotzt und wird unsicher, wenn andere etwas nicht so machen wir wir. Dieses bescheuerte Männchen aktiviert dann sofort unser Lästerzentrum und sorgt dafür, dass wir uns aufwerten, indem wir die anderen Sachen schlecht machen. Ich mach da nicht mehr mit und habe das Männchen strafversetzt. Es arbeitet jetzt an die Rezeption meines innerlichen Zentrums für Toleranz und kneift mir in die Milz, sobald ich Luft hole, um über „AUTSCH“ oder „MANN, DAS TUT WEH!“ herzuziehen.

Dienstag, 3. Januar 2012

Ein Blick in die Zukunft.

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Es war mal ein Mann aus Hannover.
Der war ein bestechlicher Doofer.
Es kam raus. Er wurd‘ wild,
und drohte der BILD.
Zu guter Letzt musste vom Hof er.

Lampen bei Licht betrachtet.

Wir möchten neue Lampen für unser Wohnzimmer kaufen. Die, die jetzt dort hängen, sind diese für unsere Bevölkerungsgruppe typischen Retro-Kugellampen. Retro war für mich bis jetzt immer das kleinste Übel, wenn es um Lampen geht.
Max Goldt hat, wenn ich mich recht erinnere, mal einer Kolumne geschrieben, dass von allen Möbeln die Lampen am meisten leiden, ich weiss gar nicht mehr genau, worunter, aber nach meinem letzten Besuch in einem Lampengeschäft vermute ich folgendes: Die Lampen leiden am meisten darunter, dass sie „designt“ worden sind. Designt bedeutet hier nicht, dass sich ein sehr stilvoller Mensch Gedanken darüber gemacht hat, dass eine Lichtquelle eine Bereicherung für einen Raum oder eine Fläche ist. Vielmehr bedeutet Lampendesign, dass jemand, der Donatelle Versace für eine natürliche, dezente Frau hält, versucht, sich mit seiner Lampe im Raum oder auf der Fläche vor allen anderen vorhandenen Möbelstücken ins Auge des Betrachters zu brennen. Ganz besonders schlimm sind die funky Stahlkonstruktionen, die aussehen wie die Brillengestelle, die in den späten 80ern schon so geschmacklos geometrisch waren, dass sie nur LehrerInnen mit der Fächerkombination Biologie/Geschichte trugen.
Das Letzte im Lampenladen jedoch sind die minimalistischen Lampen, die mit stählernen Deckenleisten und pointierten Strahlern wohlhabendes Understatement ausstrahlen wollen. In einem ersten Reflex habe ich in die Lampen gestarrt, meinen Mund ganz weit aufgemacht und auf den kreischenden Bohrer meiner Zahnärztin gewartet. Danach habe ich Angst bekommen. Weil solche knappen Lampen bestimmt jegliche Stimmung töten. Sie würden mich verunsichern, ich würde aus jedem Satz ängstlich erstmal alles Unwesentliche herausstreichen, bevor ich ihn äußerte. Der Druck, effektiv zu sein, würde mich so verunsichern, dass ich das Wohnzimmer meiden und mich ab sofort nur noch im Schlaf- oder Badezimmer aufhalten würde. Ich würde keine Freunde mehr nach Hause einladen, zu viel schlafen und aufgrund der erhöhten Anwesenheit im Badezimmer einen Waschzwang entwickeln. Wenn ich so genau darüber nachdenke, dann finde ich nicht, dass die Lampen am meisten darunter leiden.

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Pendelleuchte "Tropical" (nicht als Strahler erhältlich).

Mittwoch, 16. November 2011

Geld macht nicht glücklich, aber doof! Zum Beispiel Jay-Z.

Da besetzen Menschen, die keine Jobs und/oder keine Wohnungen haben, keine Versicherung und kein Geld, die Wall Street. Jay-Z, der einen Job, viele Wohnungen, dicke Autos und eine ganze Scheune voll Geld hat, fährt in seiner vermutlich sehr gestretchten Limousine am Geschehen vorbei und sieht ein Plakat, bei dem er denkt:
Daraus mache ich ein T-Shirt für mein Label. Das kaufen dann die Leute, die keine Jobs, Wohnungen, Versicherungen und kein Geld haben und dann werde ich noch reicher und auch ein bisschen glaubwürdig. Für einen Rapper ist es ja auch total wichtig, glaubwürdig zu sein.

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Der engagierte Rapper hat immer ein offenes Ohr Portemonnaie


Jetzt scheint aber auch die hinterste seiner Hirnzellen mit Geld zählen beschäftigt zu sein, denn, schnallen Sie sich an.
"Darauf angesprochen, ob er einen Teil des Gewinns aus dem Verkauf der T-Shirts den Occupy-Teilnehmern zukommen lassen wollte, zuckte der Multimillionär verdutzt mit den Schultern. "Warum denn das?", hieß es aus dem Designer-Haus von Jay-Z ."

Und auch seine zwei nächsten sozialen Projekte werden von Erfolg gekrönt sein (also jetzt für ihn, aber das vesteht sich ja von selbst):
Er wird zuerst einen rocawear Shop eröffnen, in dem auch die Armen und Obdachlosen sich einkleiden können. Vorausgesetzt, sie haben Geld, um die Sachen zum regulären Preis zu kaufen. Logisch.
Danach möchte er den hungernden Kindern in Afrika eine Stimme geben. In seinem neuen Superhit.

Montag, 14. November 2011

Eltern-Bashing: so sinnvoll wie Käse bei Hausstauballergie.

Immer noch sind die Medien voll mit Artikeln über Arschloch-Eltern und Kindern. Immer geht es darum, dass Eltern sich mit der Geburt ihrer Kinder für etwas Besseres halten, ihre hochbegabten Kinder viel zu wichtig nehmen und bis zum Anschlag fördern, ihre Umgebung so lange mit Bürgerbegehren und Unterschriftenaktionen ummodeln, bis alles verkehrsberuhigt, begrünt und biologisch ess- bzw. abbaubar ist.
Immer noch geht mir das auf die Nerven.

Erstens: Ganz bestimmt gibt es diesen Elterntyp wirklich, und die paar Male, die ich auf solche Eltern getroffen bin, fand ich die auch komplett scheisse. Ich verzichte jetzt auf Beispiele, weil es die gerade in diesen Artikel bzw. in gehässigen Kommentaren schon viel zu viel zu lesen gibt, und es vermutlich immer die selben drei Elternpaare in Prenzlauer Berg waren, die nicht nur das Viertel, sondern eine ganze Nation aufmischen. Aaaaber: Diese Eltern waren ganz bestimmt auch schon scheisse, bevor sie Kinder hatten. Arschlöcher gibt es nun mal in jeder Gruppierung, unter Eltern ebenso wie unter BademeisterInnen oder Menschen mit Sommersprossen.

Zweitens: Ich stand in der ersten Zeit mit Kind auch oft mit meinem Kinderwagen im Weg, und habe über presslufthämmernde Bauarbeiter geschimpft, weil mein Kind gerade eingeschlafen war. Aber nicht, weil ich mich als Königin meines hippen Viertels gefühlt habe und mein Spross als neue deutsche Elite, sondern weil ich unfassbar müde und deshalb verpeilt war. Und noch weit vor der Müdigkeit kam bei mir die Unsicherheit. Vor lauter „Habe ich das jetzt richtig gemacht?/müsste ich jetzt nicht?/Bin ich eine schlechte Mutter, wenn ich ihn nicht zum Schlafen kriege?/HUAAAA!! ICH HABE KEINE AHNUNG, WAS JETZT RICHTIG IST!!!!“ war in meinem Kopf garantiert kein Platz mehr für elitäres Wunderkindsuperelterndenken. Will heißen, meine Beweggründe für Arschlochelternverhalten sind bei mir genausowenig elitär wie beim Mann, der immer noch mitten auf dem Weg stehen bleibt, um dem Kind den Wunsch nach einem Stück Brezel zu erfüllen. Er macht das nicht, weil unser Spross ein beschissenes Bestimmerkind ist, sondern weil er, ähnlich wie Monk, nur eine Sache gleichzeitig kann und erst dann weitergehen kann, wenn er das Brezelgeben von seiner imaginären To-do-Liste gelöscht hat. Aber klar, es stänkert sich natürlich aufmerksamkeitsstärker und moralischer gegen eine elitäre Meute, die Stadtviertel annektiert und allen Menschen die Welt erklärt und befiehlt als gegen müde, verpeilte, überforderte und unsichere Menschen (Eltern).


Drittens: Ich halte mich überwiegend im Hamburger Schanzenviertel auf, in dem ja ähnlich schlimme Zustände herrschen sollen wie in Prenzlauer Berg. Klar sind hier auch Eltern unterwegs, die nicht mein Ding sind, aber diese Klugscheisser sind so wenige, dass sie unter Nebenwirkungen der Elternschaft höchstens in die Kategorie „Sehr selten“ fallen würden. Aber es wird so viel Trara um sie gemacht, dass alle denken, diese Elite-Eltern lauern überall, was dafür sorgt, dass auf Spielplätzen fremde Eltern eher argwöhnisch angeglotzt und nicht entspannt in Ruhe gelassen werden. Ich muss mich selbst immer wieder zusammenreissen, Eltern, die ich nicht kenne, tolerant zu begegnen. Aber je offener ich bin, desto mehr treffe ich auf nette, ehrliche und tolerante Eltern. Auch auf der facebook-Seite zu meinem Buch mache ich die Erfahrung, dass alle ganz ohne Klugscheissen und Bevormunden unterschiedlicher Meinung sein können und sich trotzdem mögen.

Viertens: Ich wünschte mir auch, dass heutzutage Elternsein normaler wäre für Mütter wie mich. Aber das ist es nun mal nicht. Weil es nicht mehr wie früher das eine Richtig gibt, sondern Millionen Versionen davon, was dazu führt, dass ich es als Mutter nur falsch machen kann. (bitte in jede Richtung loswettern: ich finde Stillen doof, mein Kind ist geimpft, schläft jede Nacht in unserem Bett und muss bei Wutanfällen in sein Zimmer). Und ich könnte hier jetzt weitermachen und auch noch von Doppelbelastung, unzulänglicher Kinderbetreuung, dem Mutter-Dogma, den festgefahrenen Geschlechterverhältnissen oder einer neuen Generation von Zukunfsschissern schreiben. Aber dann würde wieder sofort jemand kommen und arrogant anmerken, dass ich aufhören sollte, auf so hohem Niveau zu jammern. Dabei ich will gar kein Mitleid. Ich will Verständnis und Toleranz.

Also, aufgebrachte Schubladenschmeisser: Ich bin der festen Überzeugung, dass die Zahl der echten Arschlocheltern so gering ist, dass es ein Leichtes wäre, sie zu ignorieren oder ihnen direkt zu sagen, dass sie scheisse sind. Entweder haben sie es verdient oder sie werden sich unsicher und übermüdet entschuldigen.

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