Wink' zum Abschied leise mit der Schlagerfaust.
Eine Schlagerfaust ist die offensichtlichste Geste, mit der man in der Musik Gefühle vorgaukelt. Vor dem Oberkörper wird sie geballt, wenn der Zuschauer denken soll: „Ui, jetzt geht es aber emotional richtig zur Sache, und der Sänger fühlt das alles voll authentisch.“ Wer wissen will, wie die Schlagerfaust aussieht, kann sich auf youtube jedes beliebige Video von Creed angucken (vorher den Ton ausstellen).
Diese Schlagerfaust ist verantwortlich dafür, dass ich mit Jimmy Eat World Schluss mache. Aber fangen wir von vorn an:
Als ich Jimmy Eat World das erste Mal gesehen habe, das war so 1998 oder so, haben sie bei mir Getränke bestellt. Ich habe nämlich in einer Bar gearbeitet, in die sie nach einem Konzert kamen. Sie waren aufgedreht und nett und lustig und am Schluss ziemlich voll. Nach diesem Abend hörte ich mir auch mal deren Musik an, und siehe da: ich war Blitzfan geworden. Ich kaufte von da an jedes Album gleich am Erscheinungstag, ging auf so viele Konzerte wie möglich, weil sie einfach Arsch abgerockt haben, kannte jeden Text und hatte mehr als einmal das Gefühl, Jim Adkins singt in schweren Momenten bestimmte Zeilen nur für mich. Die Melodien und Spannungsbögen haben mich immer wieder aus der Bahn gekloppt. Keine andere Band hat mir öfter die Tränen in die Augen getrieben und keine andere Band war öfter dabei, wenn ich sie getrocknet habe.
Das letzte Album „Chase This Light“ hat mich, zugegeben, etwas verwirrt. All das Hey-Rufing und Hand-Clapping war grenzwertig und fast schon Schlager. Naja, ich habe mich beim Hören einfach doller auf die Melodien konzentriert, bis ich den Schlagereinschlag nicht mehr merkte. Sie waren schließlich die größten!!!!
Am 30. Januar sollte nun endlich wieder ein Konzert stattfinden. Ich hatte schon seit November die Tage gezählt. Als ich dann noch hörte, dass ich ein Interviewtermin bekomme, war ich im ohnmächtig werden routinierter als im Atmen (übertrieben).
Bis hierhin kann man denken: Ach, was hat diese Frau für ein Glück. Ihr Traum geht in Erfüllung. Sie kann ihre Lieblingsband die Sachen fragen, die sie immer schon wissen wollte. Sie kann sich ihre Platten signieren lassen. Was man halt so macht.
Aber wenn wirklich alles so toll gewesen wäre, hätte der Text ja anders angefangen. Kurzum: Das Interview hat mich etwas desillusioniert. Die zwei, mit denen ich sprach, waren so unspontan, so völlig emotionslos und so, hm, vielleicht ist gemütlich das richtige Wort. Ich hätte damit umgehen können, wenn sie gepisst oder genervt gewesen wären. Dann hätte ich sagen können: ‚Gut, war jetzt nicht so toll, aber die waren ja auch genervt.‘ Aber ich hatte den Eindruck, die zwei waren einfach sie selbst.
‚Ruhig Blut‘, dachte ich mir. ‚Die sind eben so, weil die sich ihre Gefühle fürs Konzert aufsparen.‘ Weil ja vorher jedes der Konzerte der absolute Ausflipp war.
Aber dieses Mal gab es die neuen Songs, zu kurze Spielzeit und eben die Schlagerfaust, die der Mann zu so gut wie jedem Song machte. Und was will ich drumherum reden: sie passte besonders zu den neuen Songs ganz ausgezeichnet. Das hat mich schockiert.
Ich will keine Band gutfinden, die unspontan und gemütlich ist und zu der die Schlagerfaust passt. Ich will keine Band gutfinden, die plötzlich lustlos wird und auf dem eigenen Konzert ein kürzeres Set spielt als auf einem Festival.
Ich will nicht in ein paar Jahren auf einem Konzert hoffen müssen, dass sie ganz viel alte Sachen spielen. Ich will nicht auf einem Konzert in 10 Jahren sitzen müssen, neben mir dicke Frauen, die Blumen auf die Bühne werfen. Ich will keine Musiker gutfinden, die in Gefahr laufen, die Roger Whittakers von morgen zu werden. Ich will Jimmy Eat World lieber in Arschabrockerinnerung behalten und deshalb mach ich jetzt Schluss.
Tschüss, Jungs.
Diese Schlagerfaust ist verantwortlich dafür, dass ich mit Jimmy Eat World Schluss mache. Aber fangen wir von vorn an:
Als ich Jimmy Eat World das erste Mal gesehen habe, das war so 1998 oder so, haben sie bei mir Getränke bestellt. Ich habe nämlich in einer Bar gearbeitet, in die sie nach einem Konzert kamen. Sie waren aufgedreht und nett und lustig und am Schluss ziemlich voll. Nach diesem Abend hörte ich mir auch mal deren Musik an, und siehe da: ich war Blitzfan geworden. Ich kaufte von da an jedes Album gleich am Erscheinungstag, ging auf so viele Konzerte wie möglich, weil sie einfach Arsch abgerockt haben, kannte jeden Text und hatte mehr als einmal das Gefühl, Jim Adkins singt in schweren Momenten bestimmte Zeilen nur für mich. Die Melodien und Spannungsbögen haben mich immer wieder aus der Bahn gekloppt. Keine andere Band hat mir öfter die Tränen in die Augen getrieben und keine andere Band war öfter dabei, wenn ich sie getrocknet habe.
Das letzte Album „Chase This Light“ hat mich, zugegeben, etwas verwirrt. All das Hey-Rufing und Hand-Clapping war grenzwertig und fast schon Schlager. Naja, ich habe mich beim Hören einfach doller auf die Melodien konzentriert, bis ich den Schlagereinschlag nicht mehr merkte. Sie waren schließlich die größten!!!!
Am 30. Januar sollte nun endlich wieder ein Konzert stattfinden. Ich hatte schon seit November die Tage gezählt. Als ich dann noch hörte, dass ich ein Interviewtermin bekomme, war ich im ohnmächtig werden routinierter als im Atmen (übertrieben).
Bis hierhin kann man denken: Ach, was hat diese Frau für ein Glück. Ihr Traum geht in Erfüllung. Sie kann ihre Lieblingsband die Sachen fragen, die sie immer schon wissen wollte. Sie kann sich ihre Platten signieren lassen. Was man halt so macht.
Aber wenn wirklich alles so toll gewesen wäre, hätte der Text ja anders angefangen. Kurzum: Das Interview hat mich etwas desillusioniert. Die zwei, mit denen ich sprach, waren so unspontan, so völlig emotionslos und so, hm, vielleicht ist gemütlich das richtige Wort. Ich hätte damit umgehen können, wenn sie gepisst oder genervt gewesen wären. Dann hätte ich sagen können: ‚Gut, war jetzt nicht so toll, aber die waren ja auch genervt.‘ Aber ich hatte den Eindruck, die zwei waren einfach sie selbst.
‚Ruhig Blut‘, dachte ich mir. ‚Die sind eben so, weil die sich ihre Gefühle fürs Konzert aufsparen.‘ Weil ja vorher jedes der Konzerte der absolute Ausflipp war.
Aber dieses Mal gab es die neuen Songs, zu kurze Spielzeit und eben die Schlagerfaust, die der Mann zu so gut wie jedem Song machte. Und was will ich drumherum reden: sie passte besonders zu den neuen Songs ganz ausgezeichnet. Das hat mich schockiert.
Ich will keine Band gutfinden, die unspontan und gemütlich ist und zu der die Schlagerfaust passt. Ich will keine Band gutfinden, die plötzlich lustlos wird und auf dem eigenen Konzert ein kürzeres Set spielt als auf einem Festival.
Ich will nicht in ein paar Jahren auf einem Konzert hoffen müssen, dass sie ganz viel alte Sachen spielen. Ich will nicht auf einem Konzert in 10 Jahren sitzen müssen, neben mir dicke Frauen, die Blumen auf die Bühne werfen. Ich will keine Musiker gutfinden, die in Gefahr laufen, die Roger Whittakers von morgen zu werden. Ich will Jimmy Eat World lieber in Arschabrockerinnerung behalten und deshalb mach ich jetzt Schluss.
Tschüss, Jungs.
inFemme - 31. Jan, 14:17


