Jedem meine, äh, seine Meinung. AAARRRGGHHHHHH!!!!!

Wer Kinder hat, weiß: es gibt Leute, die wissen, wie es läuft. Dass man als Eltern ständig und häufig ungefragt zu hören kriegt, wie man das Kind zu ernähren, erziehen und lieben hat, ist ein alter Hut. Aber genau diesen Hut möchte ich vor Verzweiflung aufessen, wenn es ums Betreuungsgeld geht. HILFE!
Ich fühle mich nicht mal mehr persönlich angegriffen, wenn ich Kommentare von Menschen lese, die finden, ich schiebe mein Kind ab, verpasse ihm durch frühe „Fremd“betreuung einen amtlichen Dachschaden und so weiter. Weil ich mich nämlich in meinem Leben scheisse wohl fühle und merke, dass es für uns alle genau so toll ist, wie es ist.
Keine Ahnung, ob diese Frontenbildung daran liegt, dass diese meckernden Menschen sich in ihrem Leben nicht so wohl fühlen und sich deshalb ständig lautstark beweisen müssen, dass ihres das Richtigste ist, aber sie geht mir, von beiden Seiten, gehörig auf den Zwirn.
Ich finde weder, dass alle berufstätigen Frauen ihre Kinder nicht genug lieben, weil sie sonst zuhause bleiben würden, noch denke ich, dass Hausfrauen ständig die Füße hochlegen und Barbara Salesch gucken. Ich glaube eher, dass es alles mögliche in allen möglichen Kombinationen gibt und jede Mutter und jeder Vater das so machen sollte, wie er oder sie das für richtig hält.
Ich zum Beispiel müsste nicht arbeiten. Wir würden mit dem Gehalt meines Mannes gut auskommen. Aber wisst ihr was? Ich WILL das. Es macht mir Spaß. Mein Job gibt mir Energie, Anerkennung, richtig viel Spaß - und Geld. Geld, von dem ich das Kind im Notfall allein durchbringen könnte. Das wiederum gibt mir Sicherheit. Dem Mann übrigens auch, auf ihm lastet so nämlich nicht der Druck, alleiniger Familienernährer sein zu müssen.
Im Gegensatz zu manchen DogmatikerInnen will ich hier aber niemandem meinen Lebensentwurf aufdrücken. Alle sind verschieden, und für viele Paare ist es ok, dass nur einer arbeitet. Es gibt Elternteile, die liebend gern lange Zuhause bleiben und sich ausschließlich um die Familie kümmern. Super das! Problematisch wird es meiner Meinung nach dann, wenn die Ehe nicht mehr funktioniert, dann wird daraus, wie wir ja gerade in der Zeit lesen konnten, oft ein ekliger Cocktail mit Zutaten wie verändertem Unterhaltsrecht, Minijobs, Hartz IV und dem Partyschirmchen Altersarmut. Nach einer Trennung stehen die Männer finanziell häufig besser da als vorher, und und die Frauen haben eine Arschkarte so groß wie der Bodensee.
Für mich ist Verantwortung das große Thema! Und damit meine ich nicht, dass sie auf Teufel komm raus arbeiten müssen. Wenn sie das möchten, super, da freut sich auch das Land, die kriegen nämlich ohne uns in den nächsten Jahren ein Riesenproblem, was sicher dazu führen wird, dass sie uns das Leben doch noch etwas leichter machen werden und sich um mehr Kitaplätze und neue Arbeitsmodelle kümmern.
Ich meine auch die, die bewusst zuhause bleiben. Für diese Ehepartner, meistens Frauen, finde ich besonders wichtig, dass sie sich absichern. Und zwar muss das leider, weil der Staat Hausarbeit ja nicht als Arbeit anerkennt geschweige denn ein Gehalt oder ausreichend Rente zahlt, jede/r selbst übernehmen. Als ich mich für ein Jahr Zuhause und danach Teilzeit entschieden habe, habe ich mich deshalb an meinen Mann gewandt. Denn ich fand, wer als Paar beschließt, dass einer Zuhause bleibt, sollte auch als Paar die möglichen Konsequenzen tragen. Er sah und sieht das genauso.
Ich wollte eine finanzielle Entschädigung für die Zeit, in der ich mich exklusiv ums Kind kümmere und in der ich kein Geld verdienen kann. Nicht für das Paar super Stiefel, das ich gerade in meinem Lieblingsladen gesehen habe, sondern für später. Wenn ich mal Rentnerin bin. Wenn wir uns trennen sollten. Weil ich keinen Bock habe, irgendwann für die riesengroße Arschkarte eine Extrazimmer zu brauchen, das ich mir nicht leisten kann, während der Mann nach der Scheidung weiter macht wie bisher, wahrscheinlich sogar ein bisschen reicher. Also haben wir unser „Vermögen“ gerecht geteilt. Klar ist es unromantisch, sich im rosaroten Zustand über so etwas Gedanken zu machen. Aber das Gespräch hat von unseren gemeinsamen sechs Jahren nur ein paar Stunden in Anspruch genommen und, ehrlich gesagt, finde ich es unromantischer, wenn wir zeitgleich im Bad Zahnseide benutzen. Vielmehr liebe ich ihn noch viel mehr als vorher, weil wir gegenseitig Verantwortung für unsere Familie übernehmen!
Also, liebe Eltern. Verschwendet Eure Zeit nicht damit, auf Andersdenkende loszugehen, sondern nutzt sie lieber dafür zu sorgen, dass Ihr Euer Leben so weiterleben könnt wie es Euch gefällt.
Und liebe Mütter: Statistisch gesehen leben wir länger als die Männer. Wollen wir später auf den männerlosen Parties in Grüppchen dastehen und uns gegenseitig scheisse finden, weil wir unterschiedlich gelebt haben? Also mir wäre lieber, wir würden in einer riesigen Polonäse durch den Saal tanzen und jede von uns hätte genug Geld, um mal eine Runde zu schmeißen!
Claudia (Gast) - 9. Nov, 11:01

Ich würde gern soviel geistreiches schreiben. Würde gern schreiben, wie SEHR ich dir zustimme und warum aber ich kann nur denken "ICH LIEBE DICH!!!"
Danke für diesen Artikel! Ich hoffe das viele ihn lesen und beherzigen.

inFemme - 9. Nov, 11:14

Hurraaaa!

Danke liebe Claudia, mehr als diese drei Worte brauche ich auch gar nicht :)

Allet Jute für dich und ein tolles Wochenende!!!
Annett (Gast) - 9. Nov, 11:34

Mein scheisse gutes Leben

Ich tanz mit dir die Polonäse und pfeif den Söhnen hinterher. Denn ich lebe ein scheisse gutes Leben mit mir, meinem Mann, meinen zwei Kindern, meinen drei Jobs, meinen vier Hobbys...
Wenn ich eines gelernt habe - zum Glück rechtzeitig - dann, dass ich mich bei jedem Blick zurück freue über das, was ich hatte, war und lebte. Und jeder Blick nach vorn sieht auch so aus: Ich bin, was ich sein will. Ich habe, was mir reicht. Ich lebe, wie ich es mir vorstelle. Und wenn der Blick das nicht mehr zeigt, dann mach ich, dass es so wird.

Norma (Gast) - 9. Nov, 11:37

Wenn doch nur alle so denken würden....

...du schreibst mir aus der Seele. Ich wohnte schon mit der Riesenarschkarte zusammen, es war kein Spaß. Darüber sollten Frauen heute mal früh aufgeklärt werden, damit sie für sich richtig entscheiden können.....für meine Tochter hat sich dann hoffentlich schon vieles zum Besseren geändert in zwanzig Jahren. Leider erlebe ich auch heute noch Frauen, die nicht mal wissen was der Partner verdient und ihr mageres Haushaltsgeld zugeteilt bekommen und sich dann noch anhören dürfen, warum nix "gscheits" auf den Tisch kommt. Das hielt ich bis vor ein paar Wochen für überholt in Zeiten wie diesen, die den Frauen bereits Möglichkeiten bietet. Und ich bin immer noch nicht fertig mit Staunen darüber, dass in dieser Runde die Mehrheit der Damen ein solches Ehemodell hat - sicher ist das nicht repräsentativ, aber da hing mir die Kinnlade bis auf die Knie. Manche von denen wäre ohne den Gatten reicher als jetzt. Toll, dass du so einen Partner hast, der die Verantwortung für die Familie gleichmäßig teilt. Danke dir, dass du mich auf eine Idee bringst, die ich auch schon hätte haben können - mit meiner anderen Hälfte noch genauer für den Fall der Fälle sprechen und handeln.

Melanie (Gast) - 9. Nov, 12:32

Wie habt ihr das geregelt?

wie habt ihr das konkret gemacht (musste nicht beantworten, ist ja persönlich) - also schriftlich was notariell fest gelegt? oder einfach eine summe, die er dir monatlich überweist? wäre neugierig. sollte es hier so weiter gehen wie bisher, ist es nämlich auch vorbei mit der finanziellen gleichberechtigung, da suche ich auch nach ideen...

lg

inFemme - 9. Nov, 15:08

Hey Melanie,ich schreib dir am Wochenende mal eine Mail.
B. (Gast) - 9. Nov, 23:06

Schreien, heulen, kotzen, brüllen, toben möchte ich angesichts der Ingnoranz und Rückständigkeit, die dieser Betreuungsgeld-Beschluss spiegelt - ich weiß garnicht, womit ich anfangen soll. Im Übrigen finde ich, dass es völlig egal ist, ob man arbeiten muss oder will - man arbeitet, punktum. Und um das vernünftig tun zu können, ist eine adäquate Kinderbetreuung nötig.
Außerdem gebe ich jedem gerne meine Telefonnummer, der mal die erbauliche Geschichte hören möchte, was passieren kann, wenn man sich in Sachen gemeinsamer Verantwortung blind auf jemanden verlässt, anstatt eine vernünftige Abmachung zu treffen (gut gemacht, Infemme!) - und wie überaus amüsant es ist, zwei Kinder mutterseelenallein durch Schule und Studium zu schaukeln.

Quasselette (Gast) - 20. Nov, 12:53

"Für später..."

Erwirbt man in einer Ehe nicht automatisch Rentenansprüche vom Mann "für später" oder ist Ehe grundsätzlich unfeministisch? :)

inFemme - 20. Nov, 13:56

nach einer scheidung wird automatisch der versorgungsausgleich gemacht. das ist schon nicht verkehrt. aber da gibt es so viele lücken, dass man sich nicht genauso automatisch darauf verlassen sollte. zum beispiel zählen da versicherungen nicht mit rein, die auch als prämie ausgezahlt werden können... aber ich bin immer noch dabei, dieses juristendeutsch richtig zu verstehen und lese und lese und vieles rauscht an mir vorbei...
und das ganze gilt natürlich nur für den zeitraum der ehe. die frauen, die sich danach mit minijobs über wasser halten, können dann ja auch nicht sooo viel für die rente ansammeln.

ich finde übrigens die ehe nicht grundsätzlich unfeministisch, ich mach da ja selber auch mit :)
Judith (Gast) - 22. Nov, 14:32

Mich würde auch interessieren, wie ihr das mit der finanziellen Absicherung für dich im Alter gemacht habt? (juju@volloeko.de)

Claudia (Gast) - 22. Nov, 18:26

detailinteressiert

Wie genau habt ihr das geregelt? Bin auch sehr an Details interessiert zum nachmachen. Find es ne tolle Idee und gratuliere dir zum verantwortungsvollen miteinander.
cs_13 at web.de

splitter (Gast) - 22. Nov, 22:41

Absicherung im Alter

Liebe Infemme, auch ich würde mich freuen, genaueres darüber zu erfahren, wie ihr das regelt. Vielen Dank im Voraus.

inFemme - 3. Dez, 12:14

Demnächst mehr!

Ich finde euer Interesse sehr super. Leider ist meinem Mann diese Auskunft etwas zu persönlich, deshalb kann ich hier unsere Finanzlage nicht darlegen. Aber ich bleibe an dem Thema dran und werde dazu mehr lesen und bald auch mehr schreiben!
Bis dahin alles Liebe!

Berufstätige Mutter, Hausfrau, Lebenskünstlerin... alle in einer Polonäse

Ein toller Text, für den ich dir eine Handvoll Knutscher zuwerfen möchte. Und ich möchte im hohen Alter auf jeden Fall tanzen.

inFemme - 27. Dez, 20:44

liebe sophie, danke für die küsschen, ich werfe zurück. und: wer zuerst mit dem tanzen anfängt, klingelt bei der anderen, ok?
Monika (Gast) - 14. Jan, 12:36

Schön,

Dass ich dein Buch geschenkt bekommen und nun deinen Block im Netz gefunden habe. Demnach ist mein Kommentar eher unspezifisch ( nicht auf deinen letzten Eintrag bezogen). Ich war so dankbar, als ich las, dass ich anscheinend normal bin und dennoch fühlt man sich ja manchmal ein wenig beschränkt ( geistig und körperlich) so mit Kind. Ich liebe meinen Sohn und will ihn nicht missen. Dennoch wünschte ich, es würde uns leichter gemacht.
Ich und mein Mann sind Naturwissenschaftler und entweder befristet angestellt oder Stipendiat. Diese Situation ist einfach beschissen. Die meisten ehemaligen Kommilitonen stehen vor der selben Entscheidung. Will ich ein Kind, obwohl ich nicht weiss, ob mein Vertrag nächstes Jahr verlängert wird? Hätte man gewartet bis man - nur ein - sicheres Einkommen hätte, hätte ich die Spätgebärendenlatte recht hoch gehängt. Es nervt zu hören "Wir wollen, dass Karriere und Familie zu vereinbaren ist" und dann ist es das Land, dass mir keinen unbefristeten Arbeitsvertrag gibt, nicht weil mein Arbeitgeber mich doof fände, nein, sondern, weil es so Brauch ist. Frau Merkel, Physikerin und kinderlos sollte es am besten wissen...So, jetzt habe ich mich bei dir ausgekotzt...entschuldige die Nörgelei, aber ich hatte das Gefühl, es passt!

inFemme - 17. Jan, 13:33

toll, dass ihr trotzdem ein kind bekommen habt, das macht nämlich mehr spass als sich über die familienfeindliche politik aufzuregen. das ist aber wirklich zum kotzen, es wird so viel erwartet von eltern, aber so wenig (von staatlicher seite) entgegengebracht. die nörgelei passt auf jeden fall, ich finde nämlich, das kann gar nicht oft genug gesagt werden!

liebe grüße und danke für deinen kommentar!

Trackback URL:
http://infemme.twoday.net/stories/202635847/modTrackback

Zuletzt unterstellt:

Sie können nicht...
Sie können nicht ignorieren, es nicht mehr gut...
keivin - 17. Apr, 10:22
Du bereits einmal eine...
Du bereits einmal eine Facebook account, garantieren...
keivin - 17. Apr, 10:19
Rauchen ist immer noch...
Rauchen ist immer noch ein gemeinsamer prozess, der...
keivin - 17. Apr, 10:13
Bis ich das hier gelesen...
Bis ich das hier gelesen habe gabs von mir auch immer...
soziochaotin - 31. Dez, 11:05

WERBUNG IN EIGENER SACHE:

Ich bin als freie Texterin/Konzeptionerin/Autorin/Ideenproduzentin zu buchen. Arbeitsproben und so weiter gibt es auf infemme.com.

Suche

 

Status

Online seit 2727 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 17. Apr, 10:22

Schaurige Gewissheit.

Credits

vi knallgrau GmbH

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page

twoday.net AGB

User Status

Du bist nicht angemeldet.
Impressum

Bunter Teller
Ein Gedicht
Geschlechtergeschichten
Geschmacklosigkeiten
Gute Musik
gute taten
gutes kommt zurück
Halbe Sachen
Körperkulturstätte
Kurzgeschichte(n)
Muttergefühle. Gesamtausgabe
Mutterschaft
Post an Wagner
Redaktion
Schwangerschaft
Sprechstunde
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren