Engel stinken!
Sicher kennen Sie den Spruch „Ich kann zaubern. Ich kann machen, dass die Luft stinkt.“ Ich bin einmal einem dieser Zauberer begegnet. In der U-Bahn. Beim Warten bemerkte ich den übelsten Gestank und schob ihn erst der just eingetroffenen U-Bahn in die Schuhe. Sie muss die üble Luft aus dem Schacht mitgebracht haben. Der fiese Geruch erinnerte mich an eine Fernsehdokumentation: Forscher hatten eine Substanz hergestellt, die alle Ekelgerüche vereinigt (Kacke, Kotze, Schwefel usw.). Jede Testperson, die daran roch, musste unwillkürlich würgen und/oder hemmungslos brechen. Damals hielt ich das für Anstellerei, jetzt konnte ich es verstehen.
Irgendwann verzog sich der Geruch, und meine Bahn traf ein. Ich rechnete schon mit der Abfahrt, bis in letzter Sekunde jemand die Tür wieder auf- und sich selbst in den Waggon quetschte: Es war die Personifikation des synthetisch hergestellten Ekelgeruchs. Es war der Zauberer. Jede einzelne meiner Poren verwandelte sich in eine Nase. Ein ganzer Waggon wurde zu würgenden Testpersonen. Und nein, ich übertreibe nicht. Die Strecke bis zur nächsten Haltestelle war für ca. 30 Menschen eine ungewollte Blitzausbildung zum Apnoe-Taucher. Dort angekommen, stürmten alle vom Ekelwaggon in den nächsten. Ich auch. Aber der Geruch biss mir noch länger in die Nase und krallte sich an meinen Schleimhäuten fest.
Das erinnerte mich an eine andere Fahrt. Auf dieser bekam ich das ganze zwar in abgeschwächter Geruchsform, aber dafür aus nächster Nähe mit. Früh morgens, meine rechtes Auge noch nicht offen, mein Hirn noch beim Zähneputzen, suche ich in der U-Bahn nach einem Sitzplatz. Für mich war es anscheinend zu früh zum argwöhnisch sein. Denn sonst wäre ich wohl stutzig geworden, dass trotz völlig überfüllter Bahn niemand bei diesem Mann sitzen wollte. Ich liess mich auf den Sitz fallen. Mir gegenüber erneut personifizierter Gestank, diesmal schlafend. Durch einen weit aufgerissenen zahnlosen Schlund hatte ich freien Ausblick auf ein wackelndes Zäpfchen. Engelchen und Teufelchen auf meiner Schulter reckten sich und begannen schleppend ihr obligatorisches Gespräch.
„ Setz dich bloß weg. Den Gestank hält ja keiner aus.“
„Das ist aber fies. Der Mann kann schließlich gar nichts dafür.“
„Du siehst ihn nie wieder, warum solltest du jetzt Rücksicht nehmen? Mann, ich kenn dich doch, nachher kriegst du wieder den ganzen Tag den Geruch nicht aus der Nase.“
Bis abends hatte sich meine Paranoia vollends entfaltet und ich hielt mich selbst für den Geruchsherd. Es war wie immer. Ich hörte auf den Engel, aber der Teufel hatte Recht.
Irgendwann verzog sich der Geruch, und meine Bahn traf ein. Ich rechnete schon mit der Abfahrt, bis in letzter Sekunde jemand die Tür wieder auf- und sich selbst in den Waggon quetschte: Es war die Personifikation des synthetisch hergestellten Ekelgeruchs. Es war der Zauberer. Jede einzelne meiner Poren verwandelte sich in eine Nase. Ein ganzer Waggon wurde zu würgenden Testpersonen. Und nein, ich übertreibe nicht. Die Strecke bis zur nächsten Haltestelle war für ca. 30 Menschen eine ungewollte Blitzausbildung zum Apnoe-Taucher. Dort angekommen, stürmten alle vom Ekelwaggon in den nächsten. Ich auch. Aber der Geruch biss mir noch länger in die Nase und krallte sich an meinen Schleimhäuten fest.
Das erinnerte mich an eine andere Fahrt. Auf dieser bekam ich das ganze zwar in abgeschwächter Geruchsform, aber dafür aus nächster Nähe mit. Früh morgens, meine rechtes Auge noch nicht offen, mein Hirn noch beim Zähneputzen, suche ich in der U-Bahn nach einem Sitzplatz. Für mich war es anscheinend zu früh zum argwöhnisch sein. Denn sonst wäre ich wohl stutzig geworden, dass trotz völlig überfüllter Bahn niemand bei diesem Mann sitzen wollte. Ich liess mich auf den Sitz fallen. Mir gegenüber erneut personifizierter Gestank, diesmal schlafend. Durch einen weit aufgerissenen zahnlosen Schlund hatte ich freien Ausblick auf ein wackelndes Zäpfchen. Engelchen und Teufelchen auf meiner Schulter reckten sich und begannen schleppend ihr obligatorisches Gespräch.
„ Setz dich bloß weg. Den Gestank hält ja keiner aus.“
„Das ist aber fies. Der Mann kann schließlich gar nichts dafür.“
„Du siehst ihn nie wieder, warum solltest du jetzt Rücksicht nehmen? Mann, ich kenn dich doch, nachher kriegst du wieder den ganzen Tag den Geruch nicht aus der Nase.“
Bis abends hatte sich meine Paranoia vollends entfaltet und ich hielt mich selbst für den Geruchsherd. Es war wie immer. Ich hörte auf den Engel, aber der Teufel hatte Recht.
inFemme - 5. Dez, 10:00


