Eltern-Bashing: so sinnvoll wie Käse bei Hausstauballergie.
Immer noch sind die Medien voll mit Artikeln über Arschloch-Eltern und Kindern. Immer geht es darum, dass Eltern sich mit der Geburt ihrer Kinder für etwas Besseres halten, ihre hochbegabten Kinder viel zu wichtig nehmen und bis zum Anschlag fördern, ihre Umgebung so lange mit Bürgerbegehren und Unterschriftenaktionen ummodeln, bis alles verkehrsberuhigt, begrünt und biologisch ess- bzw. abbaubar ist.
Immer noch geht mir das auf die Nerven.
Erstens: Ganz bestimmt gibt es diesen Elterntyp wirklich, und die paar Male, die ich auf solche Eltern getroffen bin, fand ich die auch komplett scheisse. Ich verzichte jetzt auf Beispiele, weil es die gerade in diesen Artikel bzw. in gehässigen Kommentaren schon viel zu viel zu lesen gibt, und es vermutlich immer die selben drei Elternpaare in Prenzlauer Berg waren, die nicht nur das Viertel, sondern eine ganze Nation aufmischen. Aaaaber: Diese Eltern waren ganz bestimmt auch schon scheisse, bevor sie Kinder hatten. Arschlöcher gibt es nun mal in jeder Gruppierung, unter Eltern ebenso wie unter BademeisterInnen oder Menschen mit Sommersprossen.
Zweitens: Ich stand in der ersten Zeit mit Kind auch oft mit meinem Kinderwagen im Weg, und habe über presslufthämmernde Bauarbeiter geschimpft, weil mein Kind gerade eingeschlafen war. Aber nicht, weil ich mich als Königin meines hippen Viertels gefühlt habe und mein Spross als neue deutsche Elite, sondern weil ich unfassbar müde und deshalb verpeilt war. Und noch weit vor der Müdigkeit kam bei mir die Unsicherheit. Vor lauter „Habe ich das jetzt richtig gemacht?/müsste ich jetzt nicht?/Bin ich eine schlechte Mutter, wenn ich ihn nicht zum Schlafen kriege?/HUAAAA!! ICH HABE KEINE AHNUNG, WAS JETZT RICHTIG IST!!!!“ war in meinem Kopf garantiert kein Platz mehr für elitäres Wunderkindsuperelterndenken. Will heißen, meine Beweggründe für Arschlochelternverhalten sind bei mir genausowenig elitär wie beim Mann, der immer noch mitten auf dem Weg stehen bleibt, um dem Kind den Wunsch nach einem Stück Brezel zu erfüllen. Er macht das nicht, weil unser Spross ein beschissenes Bestimmerkind ist, sondern weil er, ähnlich wie Monk, nur eine Sache gleichzeitig kann und erst dann weitergehen kann, wenn er das Brezelgeben von seiner imaginären To-do-Liste gelöscht hat. Aber klar, es stänkert sich natürlich aufmerksamkeitsstärker und moralischer gegen eine elitäre Meute, die Stadtviertel annektiert und allen Menschen die Welt erklärt und befiehlt als gegen müde, verpeilte, überforderte und unsichere Menschen (Eltern).
Drittens: Ich halte mich überwiegend im Hamburger Schanzenviertel auf, in dem ja ähnlich schlimme Zustände herrschen sollen wie in Prenzlauer Berg. Klar sind hier auch Eltern unterwegs, die nicht mein Ding sind, aber diese Klugscheisser sind so wenige, dass sie unter Nebenwirkungen der Elternschaft höchstens in die Kategorie „Sehr selten“ fallen würden. Aber es wird so viel Trara um sie gemacht, dass alle denken, diese Elite-Eltern lauern überall, was dafür sorgt, dass auf Spielplätzen fremde Eltern eher argwöhnisch angeglotzt und nicht entspannt in Ruhe gelassen werden. Ich muss mich selbst immer wieder zusammenreissen, Eltern, die ich nicht kenne, tolerant zu begegnen. Aber je offener ich bin, desto mehr treffe ich auf nette, ehrliche und tolerante Eltern. Auch auf der facebook-Seite zu meinem Buch mache ich die Erfahrung, dass alle ganz ohne Klugscheissen und Bevormunden unterschiedlicher Meinung sein können und sich trotzdem mögen.
Viertens: Ich wünschte mir auch, dass heutzutage Elternsein normaler wäre für Mütter wie mich. Aber das ist es nun mal nicht. Weil es nicht mehr wie früher das eine Richtig gibt, sondern Millionen Versionen davon, was dazu führt, dass ich es als Mutter nur falsch machen kann. (bitte in jede Richtung loswettern: ich finde Stillen doof, mein Kind ist geimpft, schläft jede Nacht in unserem Bett und muss bei Wutanfällen in sein Zimmer). Und ich könnte hier jetzt weitermachen und auch noch von Doppelbelastung, unzulänglicher Kinderbetreuung, dem Mutter-Dogma, den festgefahrenen Geschlechterverhältnissen oder einer neuen Generation von Zukunfsschissern schreiben. Aber dann würde wieder sofort jemand kommen und arrogant anmerken, dass ich aufhören sollte, auf so hohem Niveau zu jammern. Dabei ich will gar kein Mitleid. Ich will Verständnis und Toleranz.
Also, aufgebrachte Schubladenschmeisser: Ich bin der festen Überzeugung, dass die Zahl der echten Arschlocheltern so gering ist, dass es ein Leichtes wäre, sie zu ignorieren oder ihnen direkt zu sagen, dass sie scheisse sind. Entweder haben sie es verdient oder sie werden sich unsicher und übermüdet entschuldigen.
Immer noch geht mir das auf die Nerven.
Erstens: Ganz bestimmt gibt es diesen Elterntyp wirklich, und die paar Male, die ich auf solche Eltern getroffen bin, fand ich die auch komplett scheisse. Ich verzichte jetzt auf Beispiele, weil es die gerade in diesen Artikel bzw. in gehässigen Kommentaren schon viel zu viel zu lesen gibt, und es vermutlich immer die selben drei Elternpaare in Prenzlauer Berg waren, die nicht nur das Viertel, sondern eine ganze Nation aufmischen. Aaaaber: Diese Eltern waren ganz bestimmt auch schon scheisse, bevor sie Kinder hatten. Arschlöcher gibt es nun mal in jeder Gruppierung, unter Eltern ebenso wie unter BademeisterInnen oder Menschen mit Sommersprossen.
Zweitens: Ich stand in der ersten Zeit mit Kind auch oft mit meinem Kinderwagen im Weg, und habe über presslufthämmernde Bauarbeiter geschimpft, weil mein Kind gerade eingeschlafen war. Aber nicht, weil ich mich als Königin meines hippen Viertels gefühlt habe und mein Spross als neue deutsche Elite, sondern weil ich unfassbar müde und deshalb verpeilt war. Und noch weit vor der Müdigkeit kam bei mir die Unsicherheit. Vor lauter „Habe ich das jetzt richtig gemacht?/müsste ich jetzt nicht?/Bin ich eine schlechte Mutter, wenn ich ihn nicht zum Schlafen kriege?/HUAAAA!! ICH HABE KEINE AHNUNG, WAS JETZT RICHTIG IST!!!!“ war in meinem Kopf garantiert kein Platz mehr für elitäres Wunderkindsuperelterndenken. Will heißen, meine Beweggründe für Arschlochelternverhalten sind bei mir genausowenig elitär wie beim Mann, der immer noch mitten auf dem Weg stehen bleibt, um dem Kind den Wunsch nach einem Stück Brezel zu erfüllen. Er macht das nicht, weil unser Spross ein beschissenes Bestimmerkind ist, sondern weil er, ähnlich wie Monk, nur eine Sache gleichzeitig kann und erst dann weitergehen kann, wenn er das Brezelgeben von seiner imaginären To-do-Liste gelöscht hat. Aber klar, es stänkert sich natürlich aufmerksamkeitsstärker und moralischer gegen eine elitäre Meute, die Stadtviertel annektiert und allen Menschen die Welt erklärt und befiehlt als gegen müde, verpeilte, überforderte und unsichere Menschen (Eltern).
Drittens: Ich halte mich überwiegend im Hamburger Schanzenviertel auf, in dem ja ähnlich schlimme Zustände herrschen sollen wie in Prenzlauer Berg. Klar sind hier auch Eltern unterwegs, die nicht mein Ding sind, aber diese Klugscheisser sind so wenige, dass sie unter Nebenwirkungen der Elternschaft höchstens in die Kategorie „Sehr selten“ fallen würden. Aber es wird so viel Trara um sie gemacht, dass alle denken, diese Elite-Eltern lauern überall, was dafür sorgt, dass auf Spielplätzen fremde Eltern eher argwöhnisch angeglotzt und nicht entspannt in Ruhe gelassen werden. Ich muss mich selbst immer wieder zusammenreissen, Eltern, die ich nicht kenne, tolerant zu begegnen. Aber je offener ich bin, desto mehr treffe ich auf nette, ehrliche und tolerante Eltern. Auch auf der facebook-Seite zu meinem Buch mache ich die Erfahrung, dass alle ganz ohne Klugscheissen und Bevormunden unterschiedlicher Meinung sein können und sich trotzdem mögen.
Viertens: Ich wünschte mir auch, dass heutzutage Elternsein normaler wäre für Mütter wie mich. Aber das ist es nun mal nicht. Weil es nicht mehr wie früher das eine Richtig gibt, sondern Millionen Versionen davon, was dazu führt, dass ich es als Mutter nur falsch machen kann. (bitte in jede Richtung loswettern: ich finde Stillen doof, mein Kind ist geimpft, schläft jede Nacht in unserem Bett und muss bei Wutanfällen in sein Zimmer). Und ich könnte hier jetzt weitermachen und auch noch von Doppelbelastung, unzulänglicher Kinderbetreuung, dem Mutter-Dogma, den festgefahrenen Geschlechterverhältnissen oder einer neuen Generation von Zukunfsschissern schreiben. Aber dann würde wieder sofort jemand kommen und arrogant anmerken, dass ich aufhören sollte, auf so hohem Niveau zu jammern. Dabei ich will gar kein Mitleid. Ich will Verständnis und Toleranz.
Also, aufgebrachte Schubladenschmeisser: Ich bin der festen Überzeugung, dass die Zahl der echten Arschlocheltern so gering ist, dass es ein Leichtes wäre, sie zu ignorieren oder ihnen direkt zu sagen, dass sie scheisse sind. Entweder haben sie es verdient oder sie werden sich unsicher und übermüdet entschuldigen.
inFemme - 14. Nov, 15:06

Ich habe irgendwie auch das Gefühl, dass es auch keine Hipster gibt. Oder zumindest 10x so viele Leute, die so etwas hassen und kommunizieren wie Leute, die tatsächliche Hipster sind.
Ansonsten gefällt mir auch die Idee, in realen Situationen aufgeschlossen und tolerant zu sein, weil das einfach für alle besser ist; nicht aus Feigheit vor einer eigenen Meinung, wie das offenbar manche Hipsterhasser/Eltern-/Kinder/Menschenhasser missverstehen. Ich sag dazu Gutmenschlichkeit.
danke fürs pürieren :)
ich mag, dass du es gutmenschlichkeit nennst, denn auch, wenn es etwas nach liegeradfahren und barfusstanz klingt, ist es, so finde ich zumindest, der beste weg für ein leben, in dem jeder mensch sich gut fühlt und so sein kann wie er will. das klingt zwar sogar nach tiefergelegtem liegerad, ist aber trotzdem war.
viele grüße!