[>>]

Geschmacklosigkeiten

Dienstag, 19. Mai 2009

Ein BILD von einem Mann.

Heute hat die BILD Mitleid mit einem Pakistaner, der ein Elefantenmensch ist. Und nimmt das wohl erste Mal Rücksicht darauf, dass jemand (er) seinen Namen nicht nennen will. Wobei der Mann ohne Allerweltsgesicht vermutlich auch namenlos von seinen Nachbarn erkannt wird, es sei denn, er hat einen Zwillingsbruder oder er wohnt auf Kronos (wie auch immer man das schreibt).
BILD hat dieses Bild gezeigt und berichtet:
Bild-171
Der obdachlose Mann, der nicht lesen und schreiben kann, verdient sein Geld damit, Menschen mit seinen Deformationen zu erschrecken.
Er lebt in Narowal, etwa 100 Kilometer von der pakistanischen Millionenmetropole Lahore entfernt. Dort steht er am Straßenrand und erschreckt Autofahrer, die ihm für den schaurigen Anblick – aus Mitleid oder Entsetzen – Münzen in die Hand drücken.


Dazu hätte ich zwei Fragen.
Erstens: Wenn der Mann obdachlos ist, warum nimmt er dann trotzdem jeden Tag einen Arbeitsweg von 100 km in Kauf?
Zweitens: Ist das, was er tut, nicht einfach nur Betteln? Oder wusste ich bis jetzt einfach nur nicht, dass es in der Millionenmetropole Lahore eine Drive-by-Geisterbahn gibt?

Dienstag, 5. Dezember 2006

Engel stinken!

Sicher kennen Sie den Spruch „Ich kann zaubern. Ich kann machen, dass die Luft stinkt.“ Ich bin einmal einem dieser Zauberer begegnet. In der U-Bahn. Beim Warten bemerkte ich den übelsten Gestank und schob ihn erst der just eingetroffenen U-Bahn in die Schuhe. Sie muss die üble Luft aus dem Schacht mitgebracht haben. Der fiese Geruch erinnerte mich an eine Fernsehdokumentation: Forscher hatten eine Substanz hergestellt, die alle Ekelgerüche vereinigt (Kacke, Kotze, Schwefel usw.). Jede Testperson, die daran roch, musste unwillkürlich würgen und/oder hemmungslos brechen. Damals hielt ich das für Anstellerei, jetzt konnte ich es verstehen.
Irgendwann verzog sich der Geruch, und meine Bahn traf ein. Ich rechnete schon mit der Abfahrt, bis in letzter Sekunde jemand die Tür wieder auf- und sich selbst in den Waggon quetschte: Es war die Personifikation des synthetisch hergestellten Ekelgeruchs. Es war der Zauberer. Jede einzelne meiner Poren verwandelte sich in eine Nase. Ein ganzer Waggon wurde zu würgenden Testpersonen. Und nein, ich übertreibe nicht. Die Strecke bis zur nächsten Haltestelle war für ca. 30 Menschen eine ungewollte Blitzausbildung zum Apnoe-Taucher. Dort angekommen, stürmten alle vom Ekelwaggon in den nächsten. Ich auch. Aber der Geruch biss mir noch länger in die Nase und krallte sich an meinen Schleimhäuten fest.
Das erinnerte mich an eine andere Fahrt. Auf dieser bekam ich das ganze zwar in abgeschwächter Geruchsform, aber dafür aus nächster Nähe mit. Früh morgens, meine rechtes Auge noch nicht offen, mein Hirn noch beim Zähneputzen, suche ich in der U-Bahn nach einem Sitzplatz. Für mich war es anscheinend zu früh zum argwöhnisch sein. Denn sonst wäre ich wohl stutzig geworden, dass trotz völlig überfüllter Bahn niemand bei diesem Mann sitzen wollte. Ich liess mich auf den Sitz fallen. Mir gegenüber erneut personifizierter Gestank, diesmal schlafend. Durch einen weit aufgerissenen zahnlosen Schlund hatte ich freien Ausblick auf ein wackelndes Zäpfchen. Engelchen und Teufelchen auf meiner Schulter reckten sich und begannen schleppend ihr obligatorisches Gespräch.
„ Setz dich bloß weg. Den Gestank hält ja keiner aus.“
„Das ist aber fies. Der Mann kann schließlich gar nichts dafür.“
„Du siehst ihn nie wieder, warum solltest du jetzt Rücksicht nehmen? Mann, ich kenn dich doch, nachher kriegst du wieder den ganzen Tag den Geruch nicht aus der Nase.“

Bis abends hatte sich meine Paranoia vollends entfaltet und ich hielt mich selbst für den Geruchsherd. Es war wie immer. Ich hörte auf den Engel, aber der Teufel hatte Recht.

Mittwoch, 15. November 2006

Jie Jie schafft es eben nicht mit links

Noch hat er drei.
Dieser gut gestellte kleine Mann heisst Jie Jie und hat offensichtlich drei Arme. Es hätte ihn schlimmer treffen können: 4 Kniescheiben zum Beispiel wären weitaus weniger praktikabel. Mutter Natur jedoch bescherte ihm drei Arme, und wenn man sich mal überlegt, was damit alles geht, war das ein wirkliches Geschenk:
- er kann die Miracoli Sauce umrühren, WÄHREND er die Nudeln abgießt
- er kann Bier trinken, rauchen UND Fummeln
- er kann boxen wie ein Teufel und kassiert trotzdem keinen Leberhaken
- er kann Applaudieren und gleichzeitig seinen Hut in die Luft werfen

Und letzteres wird Jie Jie wahrscheinlich nicht mehr tun. Denn die Ärzte haben ihm nicht nur diese vielfältigen Möglichkeiten genommen, bei den Frauen zu punkten. Die Blitzbirnen haben sich auch noch entschieden, den funktionstüchtigeren der beiden linken Arme zu entfernen und den unterentwickelten dranzulassen. Hallo?
Da warens nur noch zwei.
Und als wüsste er jetzt schon, was ihm entgehen wird, sieht er nach der OP auch gar nicht mehr so fröhlich aus. Ich wär gern dabei, wenn seine Eltern versuchen, ihm DAS zu erklären.

Mittwoch, 1. November 2006

Präsidenten sind weniger verabscheuungswürdig als PoplerInnen.

Es gibt Menschen, die schockieren durch ihre physische Existenz. Der ukrainische Präsident zum Beispiel, oder Dolly Buster aus nächster Nähe. Solche Menschen wegen ihrer körperlichen Anomalitäten zu verspotten, liegt mir unter anderem aus Gründen der Political Correctness fern. Aber gleich um die Ecke der scheiße Aussehenden stehen die Sich-Peinlich-Benehmenden. Über die darf sich jeder aufregen, die verhalten sich schließlich falsch. Dabei kann jeder korrektes Benehmen lernen. Wohingegen man nicht lernen kann, wie man sich nach einen Quecksilber-Attentat einen rosigen Teint bewahrt.
Eine dieser Lern-Unwilligen bemerkte ich unlängst in meinem Fitnessstudio. Eine junge Frau, die mir gegenüber auf dem Stepper stand. Diese Pferdefreundin und Lehramtsstudentin guckte über Kopfhörer Fernsehen. Ich stand ihr, wie gesagt, gegenüber und zappte auf meiner Seite zwischen der 27. Wiederholung der MTV Music Awards und der SKL Show mit Günther Jauch hin und her. Dort stellt der kecke Jauch seiner Kandidatin eine Frage, die sie für einen der Prominenten zur Beantwortung frei gibt. Der Zufallsgenerator ermittelt Marcel Reif, dem die Kandidatin optimistisch das Wissen um die richtige Antwort zutraut. "Auch von der Art her", so die inzwischen fünffache Millionärin, die mit dem Geld den Kirchturm ihrer Heimatstadt reparieren sowie Modedesignerin werden will. Über Ihren an dieser Stelle schon fast in Vergessenheit geratenen Scherz biegt sich das Studiopublikum vor Lachen. Und auch meine benachbarte Pferdefreundin hält sich zu meinem Erschrecken brüllend die Hände vors Gesicht und schüttelt sich so heftig, dass sie auf ihrem Sportgerät kurz das Gleichgewicht verliert. Sie tobt regelrecht. Fürchterlich. Hat diese Frau überhaupt keine Kontrolle über sich? Nein, hat sie nicht. Denn nachdem sie sich ausgewiehert hat, schnäuzt sie sich in einer pedantischen Ausführlichkeit, wie ich sie eigentlich nicht anders von ihr erwartet hätte. Das allein ist noch nicht eklig. Aber dann klappt sie ihr triefendes Taschentuch auf und beglotzt Ihre Schnotten mit derselben Gründlichkeit. Und guckt. Und staunt. Und guckt. Bewegt die labbrige Masse hin und her, und staunt noch ein wenig mehr. Ich denke mir: Entweder kommen gleich Mitarbeiter des Tropeninstituts vorbei und nehmen eine Gewebeprobe oder ich war gerade Augenzeugin der ersten Nasengeburt. Angewidert blicke ich zur Seite und frage mich Fragen. Ist sie ein Opfer ihrer Erziehung? Hat ihre Mutter vielleicht sogar jedes Mal begeistert Vater, Freunde und Nachbarn geholt, wenn sie als Kind ganz prima Kacka gemacht hat?
Als Kind guckt sich jeder seine Popel an, rollt sie, schnippst sie weg oder steckt sie sich auch mal in den Mund. An den salzigen Geschmack kann ich mich noch genau erinnern. Irgendwann aber macht man das nicht mehr. Popeln ja, aber nur allein. Ich für meine Person habe dem Popelessen mit ca. 8 Jahren abgeschworen. Stand ja auch immer was auf dem Tisch.
Wir mussten nie hungern. Deshalb kann ich auch bis heute nicht verstehen, warum Menschen Austern mögen. Die schmecken nur nach feuchten Popeln und wenn man danach aufstoßen muss, fühlt man sich, als sei man in der Ostsee ertrunken.
Wobei: Da habe ich eine Geschäftsidee. Menschliche Austern. Für den schmalen Geldbeutel erschwinglich. Ich setze spärlich bekleidete Ausländer in einer zugigen Fabrikhalle unter einen Rasensprenger und bezahle sie dafür, dass sie Ihre Schnotten in in Rumänien produzierte Austerschalen-Imitate rotzen. So kann sich dann endlich auch der kleine Mann diese elitäre Köstlichkeit leisten, und ich mir mein eigenes Fitnessstudio.

Zuletzt unterstellt:

Lieber das Gewürz...
Lieber das Gewürz als Bratkartoffeln aus der Tüte,...
jessica.mirandes - 18. Nov, 12:36
das leben ist ja auch...
das leben ist ja auch nicht nur lustig. :) danke für...
inFemme - 17. Nov, 10:57
Warum
Grusellige Geschichte. Noch gruseliger ist jedoch das...
Marcel (Gast) - 15. Nov, 21:57
Danke
Also ich find deinen Gute Taten Schlechte Taten Blog...
Marcel (Gast) - 15. Nov, 21:36

WERBUNG IN EIGENER SACHE:

Gut aufgelegt:

Affordable Hybrid
No Area,No Criminals


Weezer
Raditude


Rolf Zuckowski und seine Freunde
Rolfs Vogelhochzeit

Suche

 

Status

Online seit 1118 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 18. Nov, 12:36

Schaurige Gewissheit.

Credits

Knallgrau New Media Solutions - Web Agentur für neue Medien

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page
xml version of this topic

twoday.net AGB

User Status

Du bist nicht angemeldet.